Israel gibt das gekaperte Frachtschiff wieder frei
Rund 500 Tonnen Kriegsmaterial beschlagnahmt
NZZ
Der von Israels Marine vor Zypern gekaperte Frachter transportierte weit mehr Waffen als zunächst berichtet. Das Ereignis wirft in Israel hohe Wellen.
George Szpiro, Jerusalem ⋅ Das am Dienstag von der israelischen Marine in den Gewässern vor Zypern gekaperte Frachtschiff «Francop» ist am Mittwochabend nach der Beschlagnahmung seiner Schmuggelware aus dem israelischen Hafen Ashdod ausgelaufen. Laut israelischen Angaben waren auf dem Frachter rund 500 Tonnen Kriegsmaterial geladen gewesen. Das Schiff gehörte einer deutschen Firma und wurde von einer zypriotischen Reederei betrieben. Laut israelischen Medienberichten kam das in Containern verborgene Kriegsmaterial aus Iran und war für den Hizbullah in Südlibanon bestimmt. Sollte sich diese Darstellung als zutreffend erweisen, bedeutete dies einen groben Verstoss gegen die Uno-Resolution 1701. Diese Entschliessung regelt den nach dem Krieg im Sommer 2006 vereinbarten Waffenstillstand.
In der Darstellung hiesiger Medien hatte die elfköpfige Besatzung des Frachters keine Kenntnis von der geladenen Schmuggelware. Die Uno-Resolution 1701 hält in Paragraf 15 ausdrücklich fest, dass Waffenlieferungen jeder Art nach Libanon untersagt sind, ausser sie seien von der libanesischen Armee oder der örtlichen Uno-Friedensmission Unifil autorisiert. Laut israelischen Angaben wurde die Fracht vor zehn Tagen im iranischen Hafen Bandar Abbas auf ein iranisches Schiff geladen und durch den Suezkanal in den ägyptischen Hafen Damietta transportiert. Dort wurde sie auf die «Francop» umgeladen. Die Frachtpapiere weisen die Ladung als mit Kunststoff gefüllte Säcke aus. Als Destination war der syrische Hafen Latakia angegeben. Die durchsuchten Container enthielten Stapel von Säcken mit Polyethylen, doch verbargen sich dahinter 3000 Raketen der Kaliber 107 Millimeter und 122 Millimeter, grosse Mengen an Handgranaten, Panzerfäusten und Munition.
Die Container sollen, immer gemäss israelischer Darstellung, mit dem Logo einer iranischen Handelsgesellschaft beschriftet sein. Dieser Umstand, sowie die Art, wie die Ware verborgen war, bestärkt die Israeli in ihrem Verdacht, dass das Material für den Hizbullah in Südlibanon bestimmt gewesen war. Die beschlagnahmten Waffen hätten, so gaben israelische Experten zu Protokoll, den Kämpfern des Hizbullah für einen mehrwöchigen Krieg gereicht. Während den 34 Tagen des Libanonkrieges im Sommer 2006 schossen Angehörige des Hizbullah rund 4000 Raketen gegen israelische Bevölkerungszentren.
Israel behauptet seit langem, dass sich der Schmuggel von Kriegsmaterial nach Südlibanon vor allem via Syrien abwickle und niemals wirklich aufgehört habe. Uno-Generalsekretär Ban hielt jedoch vor einigen Tagen fest, die Unifil habe von keinerlei Waffenschmuggel Kenntnis. Die Aufbringung der «Francop» ist nun Wasser auf die Propaganda-Mühle Israels. Es wird insbesondere hervorgehoben, dass sich Iran nicht an internationale Abmachungen halte und die Welt mit Täuschungsmanövern hinhalte.


